Ostfriesland zwischen Himmel und Blau

Vom Nivea-Ball zu Delfter Fliesen

Im heutigen Nordsee-Podcast „Teetied & Rosinenbrot“ zeigt euch Marlene, warum Ostfriesland ohne Blau kaum vorstellbar ist. Zwischen weitem Horizont, Nordsee und Himmel beginnt eine Reise durch eine Farbe, die hier überall zu finden ist – am Strand, in der Architektur und tief verwurzelt in der Kultur.

Von dem ikonischen Nivea-Ball in Dornumersiel über kunstvolle kobaltblaue Fliesen in alten Kapitänshäusern bis hin zum traditionellen Blaudruck erzählt Marlene von Handwerk, Geschichte und kleinen Besonderheiten, die man oft erst auf den zweiten Blick entdeckt.

Blau bleibt

Blau ist hier mehr als nur eine Farbe. Es ist Orientierung, Erinnerung und ein Stück Identität. Ob in Museen, alten Häusern oder im Stoff vergangener Jahrhunderte – überall zeigt sich, wie eng Dornum und Ostfriesland mit diesem Farbton verbunden ist.

Und am Ende führt alles zurück dorthin, wo sich Himmel und Meer berühren – zu einem Moment, der typisch ist für die Küste: weit, ruhig und einfach schön.

Zugvögel im Wattenmeer und der Nordsee
Grünkohl das Nationalgericht der Ostfriesen

Die ganze Episode zum Nachlesen:

Moin und herzlich willkommen bei einer neuen Folge von Teetied und Rosinenbrot, dem Podcast aus Dornum.

Ich habe mal gelesen, dass 90 % Himmel plus 10 % Erde gleich 100 % Ostfriesland ergeben.
Und ich finde: Wer das geschrieben hat, hatte wirklich recht.

Denn wenn ihr an einem schönen, sonnigen und wolkenlosen Tag an den Strand geht, wir haben Hochwasser, und ihr schaut aufs Meer, dann seht ihr einen Horizont, der scheinbar kein Ende hat.
Himmel und Nordsee verschmelzen miteinander – und man weiß gar nicht mehr:
Wo fängt der Himmel an? Wo hört das Meer auf?

Alles ist blau.
Ein einziges blaues Wasser-Himmelreich.
Wunderschön.

Und genau darum geht es heute: um die Farbe Blau, die sich wie ein roter Faden durch diese Folge zieht.

Blau – die Lieblingsfarbe der Welt

Blau ist übrigens die Lieblingsfarbe der Menschen weltweit – das haben zumindest Forschende herausgefunden.

Und Blau findet man wirklich überall in Ostfriesland.

Der Nivea-Ball – das blaueste Blau

In Dornumersiel am Strand steht wohl das blaueste Blau, das man sich vorstellen kann:
unser Nivea-Ball.

Diese riesige Kugel aus glasfaserverstärktem Kunststoff thront in etwa zehn Metern Höhe auf einem Mast.
In den 1960er- und 1970er-Jahren standen solche tiefblauen Kugeln mit dem markanten Nivea-Schriftzug in vielen Badeorten an der Nordseeküste.

Sie dienten der DLRG als Beobachtungsposten:
Unterhalb des Balls befand sich ein Ausguck, von dem aus die Rettungsschwimmer den Strand und den Badebereich bestens im Blick hatten.

Niveaball in Dornum - himmelblau

Der Nivea-Ball in Dornumersiel ist heute der letzte seiner Art – und ein unverwechselbares Wahrzeichen.

Blau in der Wohnkultur – Delfter Fliesen

Auch in der ostfriesischen Wohn- und Lebenskultur spielte Blau lange eine wichtige Rolle – vor allem bei wohlhabenden Kaufleuten, Bauern und Kapitänen.

Es war modern, Kamine, Feuerstellen oder ganze Wände mit kobaltblauen Keramikfliesen zu schmücken.

Diese kleinen, quadratischen Fliesen waren mit Unterglasurmalereien verziert:

  • Alltagsszenen
  • maritime Motive
  • biblische Darstellungen

Jede Fliese wurde in Handarbeit gefertigt – und war somit ein Unikat.

delfter fliesen

Das Besondere:
Vor dem Brennen ist das Kobaltblau zunächst grau.
Erst im Ofen entfaltet es seine typischen Blautöne – je nach Pinselstrich heller oder dunkler.

Dieses Verfahren stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Besonders begehrt waren die sogenannten Delfter Fliesen.

Neben ihrer Schönheit hatten sie auch eine praktische Funktion:
Sie schützten die Wände vor Feuchtigkeit.

Heute sind diese Fliesen selten geworden. Wer sie noch besitzt, weiß: Das ist ein echtes Stück Kulturgeschichte.

Museen & Orte zum Entdecken

Bewundern kann man diese Fliesen unter anderem im Zweisielmuseum in Dornumersiel.
Es befindet sich in einem originalen Kapitänshaus aus dem Jahr 1696 und zeigt anschaulich das Leben vergangener Zeiten.

Auch im Heimatmuseum „Leben am Meer“ in Esens gibt es ein ganzes Fliesenzimmer.

Und im Sielhof in Neuharlingersiel findet sich die größte geschlossene Sammlung von Bibelfliesen in Ostfriesland – mit rund 870 Fliesen.

Blau auf Stoff – vom Waid zum Indigo

Blau ist auch die Farbe der Seefahrt – man denke nur an den klassischen Matrosenlook.

Der blaue Farbstoff wurde ursprünglich aus dem Färberwaid gewonnen, einer Pflanze, die vor allem aus Thüringen kam.
Vor etwa 400 Jahren wurde sie jedoch vom intensiveren Indigo aus Indien verdrängt.

So entstanden in ganz Deutschland, auch in Ostfriesland, zahlreiche Blaudruckereien.

Blaudruck – Handwerk mit Tradition

Beim Blaudruck entsteht durch eine spezielle Drucktechnik ein weißes Muster auf blauem Grund – in aufwendiger Handarbeit.

Heute ist dieses Handwerk selten geworden, doch in Jever gibt es noch eine Manufaktur, die diese Tradition fortführt.

Dort werden historische Muster aus der Zeit von etwa 1660 bis 1900 gedruckt:

  • asiatische Motive wie Granatäpfel oder Lotusblumen
  • europäische Ornamente
  • Streublumen und feine Streifen

Über 500 historische Motive sind dort erhalten.

Seit 2016 gehört der Blaudruck zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe.

Die Manufaktur kann besichtigt werden – inklusive Vorführungen und Shop.

Zurück zum Ursprung – der Himmel über Dornumersiel

Meine blaue Reise endet dort, wo sie begonnen hat: am Strand.

Auf der Drachenwiese in Dornumersiel findet jedes Jahr rund um den 1. Mai ein großes Drachenfest statt.

Dann steigen die kunstvollen Lenkdrachen von rund 80 Drachensportlern in den Himmel.

Und dafür braucht es genau das, was Ostfriesland so besonders macht:
einen tiefblauen Himmel.

Für mich steht dieses Bild für alles, was den Frühling ausmacht:
Leichtigkeit, Lebensfreude und Unbeschwertheit.

Tschüss.
Eure Marlene aus Dornum.

Der Nordsee Podcast aus Dornum

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