Der magische Klang der Holy-Orgel

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Dornums Klangschatz

Im heutigen Nordsee-Podcast „Teetied & Rosinenbrot“ nimmt euch Marlene mit in die St.-Bartholomäuskirche in Dornum – zu einem besonderen Sommerabend voller Kerzenlicht, Stille und Musik. Im Mittelpunkt steht die berühmte Gerhard-von-Holy-Orgel, eine der bedeutendsten Barockorgeln Ostfrieslands.

Gerhard von Holy und die Königin der Instrumente

Marlene erzählt, warum ausgerechnet das kleine Dornum eine Orgel von Weltrang besitzt, welche Rolle die Familie von Closter spielte und weshalb Ostfriesland bis heute als Paradies für Orgelfreunde gilt. Von Dornum geht der Blick weiter nach Marienhafe, Norden und Rysum – zu historischen Orgeln, die seit Jahrhunderten Menschen berühren.

P.S.: Und wenn du nach dem Orgelmoment noch einen Moment bleibst, entdecke in der St.-Bartholomäuskirche auch die Spuren der Dornumer Häuptlingsgeschlechter – bis hinunter in die Häuptlingsgruft unter dem Altarraum.

Zugvögel im Wattenmeer und der Nordsee
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Die ganze Episode zum Nachlesen:

Moin und herzlich willkommen bei einer neuen Folge von Teetied und Rosinenbrot, dem Podcast aus Dornum.

Es ist einer dieser schönen Augustabende, wenn das Licht so weich und warm ist – das kennt ihr auch – und alles in ein goldenes Leuchten taucht. Es ist kurz vor Sonnenuntergang, und die gewaltigen Arme der mehr als 200 Jahre alten Buche an der St.-Bartholomäuskirche in Dornum werfen riesige, lange Schatten.

Ich mag diese goldene, ja fast magische Stunde, wenn der Tag so allmählich zur Ruhe kommt.

Genau diese besondere Stimmung begleitet mich auf meinem Weg zur Kirche. Sie thront auf einer acht Meter hohen Warft über dem Ort. Lichterketten und viele Kerzen weisen den Weg hinauf.

Nachtorgel bei Kerzenschein

Im Inneren der Kirche setzt sich dieses warme Licht fort. Kerzen flackern. Die letzten Besucher suchen ihre Plätze, und ich ergattere gerade noch einen der wenigen freien Sitze.

Langsam wird es still.

Und dann erklingt der erste Ton.

Ganz leicht.
Silbrig.
Dann langsam kraftvoller werdend.
Warm und überraschend lebendig.

Ein Klang, den Menschen an genau diesem Ort schon vor mehr als 300 Jahren gehört haben.

Ich rede von der Königin der Musikinstrumente: der Orgel.

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Quelle: Matthias Süßen, wikipedia

Die Dornumer Holy-Orgel

Unsere Kirchenorgel wurde in den Jahren 1710 und 1711 erbaut und ist weit über Ostfriesland hinaus bekannt.

Mit ihren 32 Registern und rund 1.770 Pfeifen gehört sie zu den bedeutendsten historischen Orgeln Ostfrieslands.

Und wirklich jeder, der die Kirche betritt, ist überrascht von der Größe dieser Orgel. Ehrlich gesagt würde man ein solches Instrument eher in einer Stadtkirche erwarten als in unserem kleinen, fast intim-familiären Kirchenraum hier in Dornum.

Doch nicht nur ihre Größe beeindruckt, sondern auch ihr außergewöhnlich farbenreicher Klang.

Konzerte im Sommer

Deshalb reisen jeden Sommer Organistinnen und Organisten aus aller Welt nach Dornum, um bei der Konzertreihe „Nachtorgel bei Kerzenschein“ Werke aus Renaissance und Barock zu spielen.

Die Konzerte beginnen erst um 21 Uhr – also dann, wenn draußen langsam die Dämmerung einzieht und drinnen nur noch Kerzen den Kirchenraum erleuchten.

Was ich persönlich auch sehr schön finde: Es gibt immer auch ein Konzert für Kinder, ein sogenanntes Gesprächskonzert, bei dem die Orgel nicht nur gespielt, sondern auch erklärt wird.

Gerhard von Holy – ein ostfriesischer Orgelbauer

Aber wie kommt es eigentlich, dass ausgerechnet unser kleines Dornum eine Orgel von Weltrang besitzt?

Die Antwort führt uns mehr als 300 Jahre zurück.

Anfang des 18. Jahrhunderts gab die Dornumer Herrscherfamilie von Closter den Bau einer neuen Orgel in Auftrag. Mit dieser Aufgabe betraute sie einen Mann, der als einer der besten Orgelbauer seiner Zeit galt: Gerhard von Holy.

Er war waschechter Ostfriese und stammte aus Aurich. Er prägte den barocken Orgelbau in unserer Region wie kaum ein anderer.

Bis heute sind zwei seiner großen Orgeln nahezu vollständig erhalten geblieben: die eine hier in Dornum, in der St.-Bartholomäuskirche, und die andere in Marienhafe, dem Zufluchtsort des legendären Piraten Klaus Störtebeker. Den kennt ihr bestimmt.

Und diese prachtvolle Orgel ist dort mindestens genauso berühmt wie der Pirat.

Restaurierung durch Jürgen Ahrend

Dass wir die Dornumer Orgel heute wieder nahezu so hören können wie im 18. Jahrhundert, verdanken wir dem Orgelbauer Jürgen Ahrend aus Leer.

Er wurde vor allem durch die Restaurierung von Barockorgeln weltweit bekannt und hat auf diesem Gebiet wirklich Maßstäbe gesetzt.

1997/98 restaurierte er auch unsere Orgel. Die war vorher in einem ziemlich desolaten Zustand.

Ahrend konnte sie nahezu wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Deshalb gilt sie heute wieder als eines der bedeutendsten Klangdenkmäler Europas.

Ostfriesland – ein Paradies für Orgelfreunde

Überhaupt: Ostfriesland ist ein wahres Paradies für Orgelfreunde.

Rund 150 historische Orgeln sind hier bis heute erhalten geblieben. Etwa 60 von ihnen wurden sogar schon vor 1850 gebaut und sind heute noch spielbar.

Es gibt also kaum eine andere Region, die eine solche Vielfalt an Orgeln aus sieben Jahrhunderten vorweisen kann.

Das hat einen überraschenden Grund: Früher fehlte den meisten Kirchengemeinden schlicht das Geld für neue Orgeln. Also reparierte, hegte und pflegte man die alten Instrumente immer wieder – oft über Generationen hinweg –, anstatt sie zu ersetzen.

Was damals aus finanzieller Not geschah, entpuppt sich heute als wahrer Glücksfall. Denn so blieb eine einzigartige Orgellandschaft erhalten.

Hinzu kommt eine außergewöhnlich hohe Dichte mittelalterlicher Kirchen in Ostfriesland. Allein in unserer kleinen Gemeinde Dornum haben wir noch sechs mittelalterliche Kirchen.

Das Geheimnis des alten Klangs

Bis heute rätseln Fachleute über das Geheimnis des besonderen Klangs vieler dieser alten Orgeln.

Man vermutet, dass es auch an speziellen Metalllegierungen der Pfeifen lag. Die genaue Zusammensetzung kennt man bis heute nicht in allen Einzelheiten.

Und deshalb ist es bis heute nicht gelungen, den Klang der alten Meister wirklich perfekt nachzubilden.

Arp Schnitger und die Orgel in Norden

Neben Gerhard von Holy begegnet einem in Ostfriesland noch ein weiterer großer Name: Arp Schnitger.

Er war einer der bedeutendsten Orgelbauer seiner Zeit. Sein größtes Werk in Ostfriesland steht in der Ludgerikirche in Norden.

Mit 46 Registern und über 3.100 Pfeifen ist sie die größte Orgel Ostfrieslands.

Besonders beeindruckend ist ihre ungewöhnliche Bauweise. Sie ist nicht symmetrisch aufgebaut, sondern windet sich förmlich um einen mächtigen Vierungspfeiler.

Der Grund dafür ist ebenso einfach wie genial: So verteilt sich der Klang besonders gut in den vielen, teils verwinkelten Kirchenräumen.

Die Orgel von Rysum

Und dann gibt es noch einen Ort, an dem Musikgeschichte lebendig wird: das kleine Rundwarftendorf Rysum bei Emden.

Ich habe euch schon in einer anderen Podcastfolge von diesem hübschen Ort erzählt.

Dort steht die älteste spielbare Orgel Deutschlands und zugleich eine der ältesten noch spielbaren Orgeln der Welt. Sie wurde bereits im Jahr 1457 erbaut.

Wer sie heute hört, lauscht Klängen, die seit fast sechs Jahrhunderten Menschen begleiten. Das muss man sich einmal vorstellen.

Bis heute weiß man allerdings nicht mit Sicherheit, wer dieses außergewöhnliche Instrument gebaut hat.

Ein Blick in die Kirchen lohnt sich

Wenn ihr also das nächste Mal an einer unserer Kirchen vorbeigeht, dann werft doch auch einmal einen Blick hinein.

Denn oft verbirgt sich dort weit mehr als nur ein schönes Instrument.

Jede dieser Orgeln erzählt ihre eigene Geschichte: von meisterhaftem Handwerk, jahrhundertealter Musik und Menschen, die dieses einzigartige Kulturerbe bis heute bewahrt haben.

Und vielleicht besucht ihr eines der vielen Orgelkonzerte, die bei uns stattfinden – selbst dann, wenn ihr euch nicht zu den großen Orgelfans zählt.

Lasst euch von der besonderen Atmosphäre unserer mittelalterlichen Kirchen und den eindrucksvollen Klängen dieser außergewöhnlichen Instrumente einfach ein wenig verzaubern.

Der Nordsee Podcast aus Dornum

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